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Weniger ist oft mehr

Der Lautsprecher - Weniger ist manchmal mehr – Foto: Jens Frenkel
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Der Lautsprecher - Weniger ist manchmal mehr – Foto: Jens Frenkel

Weniger ist oft mehr

Es ist unmöglich, das Weihnachtsfest zu verpassen. Schon im späteren Hochsommer stehen Pfefferkuchen, Stolle und Co. in den Gängen der Supermärkte und blockieren den Weg zur Sonnencreme. Ich bin immerhin froh, dass man mir Mitte August an der Kasse nicht schon ein „Frohes Fest“ wünscht. Wer diese massive Werbekampagne verpasst, wird spätestens ab Ende Oktober an das bevorstehende Fest erinnert. Häuser und Gärten verwandeln sich kurz nach Sonnenuntergang in wahre LED-Oasen. Immerhin ist der Anfang der Neunziger herrschende Trend des wilden Blinkens in wechselnden Rhythmen und Farben fast vorbei. Auch sieht man immer seltener gigantische Weihnachtsmann-Monster am Schornstein stehen oder die Hauswand hochklettern. Erfreuliche Entwicklung. Trotzdem sind manche Gärten bis in den kleinsten Winkel ausgeleuchtet. Es würde mich nicht wundern, wenn da mal früh ein Airbus neben dem Gurkenzelt stünde. Die Landebahnen in Schkeuditz sind nicht deutlich mehr beleuchtet. Bitte nicht falsch verstehen – jeder soll seine Freude an dem Festglanz haben und niemand will hier „regulieren“. Wir von der NABU-Regionalgruppe Partheland schon gar nicht. Trotzdem lohnt es sich, mal über die Sache nachzudenken, denn was unseren Augen schmeichelt und die Herzen vorweihnachtlich wärmt, ist für unsere Tierwelt überhaupt nicht lustig. Vor allem die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere kommen komplett durcheinander. Ihnen würde da schon eine Zeitschaltuhr helfen, die das „Flutlicht“ zumindest auf die Abendstunden begrenzt. Die Lichtverschmutzung hat allerdings ganzjährig zugenommen. Die Gartenwegbeleuchtungen strahlen munter weiter, auch wenn die Familie schon lange im abgedunkelten Schlafzimmer friedlich schlummert. In meiner Kindheit konnte ich mit bloßem Auge von Leipzig-Gohlis aus noch die Milchstraße sehen. Heute hat man da von Borsdorf aus kaum noch eine Chance. Ein Ergebnis der Lichtverschmutzung. Generell wäre hier weniger deutlich mehr. Zurück zum Garten –im Herbst schlägt auch die Stunde der Laubsauger. Sicherlich kann man mit deren Hilfe schnell die großen Flächen säubern. Doch diese Geräte erzeugen nicht nur ordentlich Lärm – sie häckseln alles kurz und klein, auch und vor allem Spinnen, Asseln und Käfer, die wiederum für den ökologischen Kreislauf große Bedeutung haben. Hier wäre weniger auch mehr. Vielleicht mal eine „Schmuddelecke“ im Garten belassen, wo Igel und Co. den Winter verbringen können…

Weniger ist mehr – trifft auch auf die Bahn zu. Weniger Verspätung – ja, das wäre schön. Bleibt aber auf absehbare Zeit ein Wunschdenken. Dieser Tage hat die neue Bahnchefin berichtet, dass nur noch 51,5% der Fernzüge pünktlich ankommen. Der einzig pünktliche Zug in Deutschland ist anscheinend der  Rosenmontagszug. Und selbst der ist schon ausgefallen. Apropos „Ausfallen“: Die Bahn nutzt trotzdem den Slogan „Weniger ist mehr“. Und das auf unfassbare Weise! Es ist allgemein bekannt, dass ausgefallene Züge nicht in die Verspätungsstatistik eingerechnet werden. Und was schließt der Bahnvorstand daraus? Man lässt nun Züge, die sehr wahrscheinlich Verspätung haben werden, absichtlich ausfallen! Also nach dem Motto: Wenn kein Zug mehr fährt, dann ist die Bahn am pünktlichsten! Es gibt gar nicht so viele Ausrufezeichen, die man hinter diesen Irrsinn setzen müsste. Und für solche Ideen kassieren die Bahnvorstände Millionen an Jahresvergütungen oder Abfindungen. Skandalös. Und wer muss dafür den Kopf hinhalten…?

Tom Pauls sagte einmal: „Eigentlich wollte ich einen Witz über die Bahn machen, aber ich habe Angst, dass der nicht ankommt!“

Wie soll denn so die angestrebte Verkehrswende gelingen?

Aber es gibt sie noch, die guten Nachrichten! So fand am 08.11. die traditionelle Herbstpflanzung der NABU-Regionalgruppe Partheland gemeinsam mit den 6.Klassen des „Freien Gymnasiums Borsdorf“ statt. Auch die „Baumfreunde Borsdorf“ unterstützten tatkräftig die Aktion. So kamen zwischen der B6/neu und der B6/alt knapp 40 Bäume am Ufer der Parthe in die Erde. Damit ist die Bepflanzung zur Beschattung des Flusses auf diesem Abschnitt vollendet.

Wenn das kein Grund zum Feiern ist…

 



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